Rezension: Weblogs, Podcasting…

Mit dem Aufkommen von Weblogs, Podcasts und Videocasts hat das Internet eine neue Form angenommen. Wesentlicher Unterschied zu den traditionellen Medien ist das Ausbrechen der User aus der starren Konsumentenrolle und eine starke Vernetzung zwischen den Teilnehmern. Weblogs, Podcasting und Videojournalismus betrachtet diese und weitere Eigenheiten der neuen Medien abseits des großen Web-2.0-Hypes mit hochwertigen wissenschaftlichen Analysen und Gastbeiträgen von diversen Galionsfiguren dieser Bewegung.

Weblogs, Podcasting und Videojournalismus ist der zusammenfassende Tagungsband der gleichnamigen Konferenz, die im September 2005 am Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe stattfand. Das Buch beginnt mit einem allgemeinen Teil, der einerseits aus einer medientheoretischen Sicht die Entwicklung der neuen Kommunikationsmittel betrachtet und andererseits die Glaubwürdigkeit und die Massenwirksamkeit hinterfragt. Überwiegend Mitarbeiter universitärer Institutionen haben diesen komplexen und anspruchsvollen Teil des Buches verfasst. Typisch für einen wissenschaftlichen Artikel werden dutzende Studien zitiert, frühere Forschungsergebnisse in die Diskussion mit einbezogen und bekannte Persönlichkeiten der jeweiligen wissenschaftlichen Disziplin zitiert. Auch mit Fremdwörtern wird nicht gegeizt und so findet sich der Leser bald in einem Dschungel von Zitaten, Theorien und Unklarheiten. Das Vorhaben, einigen Querverweisen zu folgen, um ein etwas klareres Bild zu bekommen, verwandelt sich durch die hohe Dichte schnell zu einer Angelegenheit von mehreren Stunden.

Die neuen Medien
Ein völlig konträres Bild findet der Leser in den Teilbereichen von Weblogs, Podcasting und Videojournalismus, die sich mit den einzelnen Medienformaten beschäftigen. Diese Beiträge sind überwiegend von aktiven Bloggern, Podcastern und Video-Journalisten verfasst worden und deutlich angenehmer zu lesen als die Beiträge im allgemeinen Themenbereich. Zentrale Diskussionspunkte sind das Spannungsfeld zwischen dem traditionellen Journalismus und den neuen Bürgermedien sowie die kommerzielle Verwertung von eben diesen. Ein Highlight sind die aufeinander folgenden Beiträge des Blogger-Stars Don Alphonso, der gegen die professionellen Journalisten wettert, und der Gegenschlag von Christoph Neuberger, der Alphonsos zwölf Thesen „Warum Blogs den Journalismus im Internet aufmischen werden“ teilweise empirisch widerlegt. Etwas kurz geraten ist nur der Themenbereich rund um Video-Journalismus, der außer zwei Fallstudien nur eine Zusammenfassung von proaktiven Videoprojekten bietet.

Fazit
Weblogs, Podcasting und Videojournalismus ist ganz klar wissenschaftliche Publikation – das sollte dem Leser vor dem Kauf bewusst sein. Er wird in diesem Buch keine leichte Lektüre finden, sondern faktisch recherchierte Fachbeiträge auf hohem Niveau. Wen dies nicht abschreckt, ist mit dem Kauf sehr gut beraten, da ähnlich hochwertig aufbereitete Informationen ansonsten nur in rein wissenschaftlichen Studien zu finden sind.

Infos
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Titel: Weblogs, Podcasting und Videojournalismus
Autoren: Vanessa Diemand, Michael Mangold, Peter Weibel (Hrsg.)
Verlag: heise (1. Auflage, November 2006 / emedia.de)
Umfang: 234 Seiten
ISBN-10: 3-936931-41-0
ISBN-13: 978-3-936931-41-9
Preis: 18,00 Euro

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