Rezension: Requirements Engineering

Requirements Engineering (zu Deutsch: Anforderungsmanagement) ist ein wesentlicher Bestandteil bei der Entwicklung von softwarebasierten Systemen. Das gleichnamige Buch von Klaus Pohl ist ein umfassendes Grundlagenwerk mit dem Anspruch eines akademischen Lehrbuches. Der Autor, selbst aus dem universitären Bereich stammend, schafft es, den komplexen Themenkreis rund um das Requirements Engineering nachvollziehbar zu skizzieren und bietet somit ein umfassendes deutschsprachiges Nachschlagewerk zum Thema.

Die Anforderungsanalyse ist ein umfangreiches und komplexes Anwendungsgebiet im modernen Projektumfeld von softwareintensiven Systemen. Schlechtes und ungenaues Vorgehen in den Analyseprozessen verhindert den Erfolg und den reibungslosen Ablauf von Projekten. Die zeitgemäße Anforderungsanalyse ist einem äußerst komplexen Spannungsfeld zwischen Anforderungen, Einzelinteressen, Terminen und Budget ausgesetzt. Dieses komplexe Gebilde versucht Pohl aufzulösen. Basis für das Buch bildet ein von Pohl entwickeltes Requirements-Engingeerung-Rahmenwerk, ein Modell, das den komplexen Sachverhalt gliedert und beschreibt.

Das Rahmenwerk
Anhand eines vereinfachten Modells zur Darstellung sämtlicher Facetten des Requirements Engineering erklärt der Autor in fünf Teilen die wesentlichen Aufgaben und Eigenschaften. Pohl geht vom Kontext eines IT Systems aus, in dem Software gesehen werden muss, und beschreibt, wie sich Anforderungen kategorisieren lassen. Anschließend werden die drei Kernaktivitäten des Anforderungsmanagement umfassend erläutert. Neben der Erfassung von Anforderungen bei den unterschiedlichen Beteiligten gehören auch die Konfliktmanagement und die genaue Dokumentation des gesamten Prozesses zu den Hauptaufgaben. Übergreifende Prozesse wie die Validierung von Anforderungen und das Management des gesamten Prozess runden das Rahmenwerk ab. In den weiteren Teilen erläutert Pohl die erprobte Methode COSMOD-RE (scenario and goal based system development method) an Hand eines praktischen Beispiels aus der Automobilindustrie und die Anknüpfungspunkte des Requirements Engineering zu weiteren technischen Aufgaben.

Zurück an die Uni?
„Requirements Engineering“ ist ganz klar ein Lehrbuch, das sehr stark an die Didaktik eines Uni-Skriptums erinnert. Das hat seine Vor- und Nachteile. Ein wesentlicher Vorteil ist mit Sicherheit die klare und sachliche Aufbereitung der Thematik. Es finden sich vergleichsweise sehr viele Aufzählungen, Abbildungen und Tabellen im Buch. Dies unterstreicht noch weiter den Anspruch der Strukturierung, der durch den Stil des Autors gezeichnet wird. Ein wesentlicher Nachteil dieser Präsentationsform ist die vergleichsweise hohe Aufmerksamkeit und Konzentration, die vom Leser verlangt wird. Besonders Einsteiger in die Thematik werden des Öfteren eine Passage doppelt lesen müssen, um den Sachverhalt zu begreifen.

Fehlender Praxisbezug
Trotz zahlreicher Beispiele und Checklisten, gibt es kein durchgehendes Praxisbeispiel, das den gesamten Prozess des Requirements Engineering illustriert. Nur im siebten Teil des Buches wird eine Fallstudie herangezogen. Diese macht es besonders für Neulinge schwierig, alle Facetten der Anforderungsanalyse in ihrer Gesamtheit zu verstehen.

Fazit
„Requirements Engineering“ wird seinem Untertitel „Grundlagen, Prinzipien, Techniken“ voll gerecht. Das Buch beschreibt umfassend die Techniken und Methodiken des modernen Anforderungsmanagements. Wer mit der Didaktik eines Uni-Skriptums kein Problem hat, kann sich getrost mit dem Buch von Klaus Pohl das wohl beste deutsprachige Grundlagenwerk zur Thematik besorgen. Der fehlende Praxisbezug wird durch die klare und strukturierte Aufbereitung wettgemacht.

Infos
Titel: Requirements Engineering – Grundlagen, Prinzipien, Techniken
Autor: Klaus Pohl
Verlag: Dpunkt (1. Auflage, Februar 2007 / dpunkt.de)
Umfang: 741 Seiten
ISBN: 978-3898643429
Preis: 49,00 Euro

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